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Monatsarchiv Juli 2018

VonBB

Bitte ins Englische übersetzen: „Gerichtsstand“

Frage:

Wie lautet die korrekte Übersetzung von „Gerichtsstand“?

Antwort:

Well, it depends … Wollen Sie einen Vertrag oder eine zivilrechtliche Klageschrift übersetzen?

 

Beim Übersetzen ist die ZPO zu berücksichtigen?

Geht es um eine Übersetzung, in der die deutsche Zivilprozessordnung maßgeblich ist? In der offiziellen Übersetzung der ZPO (Code of Civil Procedure) wird in § 12 der „allgemeine Gerichtsstand“ übersetzt mit: „general venue“. In §§ 36 ff. dagegen steht „jurisdiction“.

 

Übersetzung ins Britische oder Amerikanische Englisch?

Großbritannien

Geht es um einen Sachverhalt vor oder nach 1999? Lord Woolf reformierte das Zivilrecht und damit die englische Rechtssprache. Seine Civil Procedure Rules 1998 traten am 26. April 1999 in Kraft. Einen (allgemeinen) Gerichtsstand, wie wir ihn kennen, gibt es nur in einigen Ausnahmen, z. B. bei Immobiliengeschäften. Dementsprechend ist abzuwägen, wie man den Sachverhalt am besten erläuternd übersetzt.

Die Civil Procedure Rules (CPR) gelten allerdings nur für England und Wales. Schottland arbeitet derzeit an seinen New Civil Procedure Rules. Soweit bereits bekannt werden sie denen von England und Wales zukünftig ähnlicher sein. Für Nordirland und die Republik Irland sollte man wiederum eigens recherchieren.

Commonwealth

Möglicherweise benötigen Sie diese Übersetzung für ein Gericht in Hongkong? Wobei wir natürlich zwischen dem Festland (chinesisches Recht) und der Sonderverwaltungszone Hongkong unterscheiden, deren Rules of the High Court (RHC) für Zivilprozesse 2009 reformiert wurden.

Vereinigte Staaten

Die Amerikaner dagegen verwenden in Verträgen üblicherweise „place of jurisdiction“, wobei venue auf US-Legal.com folgendermaßen definiert ist: „For civil cases, venue is usually the district or county which is the residence of a principal defendant or where they regularly conduct business, where a contract was executed or is to be performed, or where an accident took place.“

Vertraglich vereinbarter Gerichtsstand in England

Die britischen Anwaltskanzlei Stephenson Harwood LLP informiert dazu: Wenn Vertragsparteien in einem nach englischem Recht wirksamen Vertrag regeln, dass die englischen Gerichte für Streitigkeiten aus dem Vertrag zuständig sein sollen („confer jurisdiction exclusively on the English Courts to settle any disputes arising under that agreement“), liegt die ausschließliche Zuständigkeit bei den englischen Gerichten. Selbst dann, wenn keine der Parteien ihren Wohn- bzw. Firmensitz in dieser Jurisdiktion hat.

Sonderfall EU

Oder geht es vielleicht um eine EU-Verordnung wie die Standardvertragsklauseln zum internationalen Datentransfer? Dann wären wir doch wieder bei „jurisdiction“ – wie in Klausel 7 verwendet. Laut David Hutchins, dem britischen Experten für Rechtssprache, bedeutet dieser Begriff im Britischen Englisch allerdings „Gerichtszuständigkeit“ bzw. „Gerichtsbezirk“.

Würden Sie allerdings andere EU-Dokumente heranziehen, z. B. die Verordnung (EU) Nr. 1215/2012 über die gerichtliche Zuständigkeit und die Vollstreckung gerichtlicher Entscheidungen in Zivil- und Handelssachen, finden Sie in Ziffer 32 auch die Formulierung „forum generale“. Im Übrigen steht der Wohnsitz (auch von Unternehmen) im Mittelpunkt dieser Verordnung. Englisch: „to be domiciled“.

Fazit

Die einzig korrekte Kurzantwort auf die scheinbare simple Frage lautet also:

Das kann ich Ihnen erst beantworten, wenn ich den Sachverhalt kenne! Denn: Übersetzer übersetzen Inhalte – nicht Wörter!

Eins noch …

Frage: Was würden Sie Shakespeare auf seine Frage „What’s in a name?“ antworten?

Antwort: Ganz einfach: A whole lot of food for thought!

VonBB

Datenschutz – An alles gedacht?

Unsichtbare Informationen in Dateien

Selbst MS Office-Dateien enthalten versteckte Daten. Auch Fotos verraten mehr über Sie, als man gemeinhin annimmt.

Wenn Sie kostenlose Übersetzungsdienste im Internet nutzen, dann laden Sie bitte keine Dateien hoch. Neben dem Gebot der Vertraulichkeit können diese Daten auch als personenbezogene Daten dem Datenschutz unterliegen.

Microsoft informiert auf seiner Support-Website: „Word-Dokumente können u.a. die folgenden Arten von ausgeblendeten Daten und persönlichen Informationen enthalten:“

  • Kommentare: der Prüfer oder Ihres Rechtsbeistands oder Kunden
  • Überarbeitungsmarkierungen aus nachverfolgten Änderungen
  • Namen der Personen, die an Ihrem Dokument gearbeitet haben
  • Dokumenteigenschaften bzw. Metadaten: Autor, Betreff, Titel, Name der Person, die das Dokument zuletzt gespeichert hat, etc.
  • persönliche Informationen:  Ggf. enthält Ihr Dokument auch weitere Informationen, anhand derer Sie oder andere Personen identifiziert werden können (Personally Identifiable Information, PII), wie E-Mail-Kopfzeilen, zur Durchsicht versendete Informationen, Verteiler und Vorlagennamen.
  • Kopfzeilen, Fußzeilen und Wasserzeichen

Wie Sie wissen, genießen personenbezogene Daten seit dem Inkrafttreten der Datenschutz-Grundverordnung ganz besonderen Schutz. Datenpannen sind nicht nur peinlich, sondern können mit einem Bußgeld von maximal 4 % des weltweiten Jahresumsatzes belegt werden.

Weitere Informationen finden Sie bei Microsoft: Support-Artikel zu versteckten Daten

Digitalfotos speichern seitenweise Informationen in den sogenannten „EXIF“-Eigenschaften. Diese können in Office, aber auch mit speziellen Tools sichtbar gemacht werden.

VonBB

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