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Jahresarchiv 2019

VonBB

Fachartikel „Nationale Variation in der deutschen Rechtsterminologie“

Download des vollständigen Fachartikels

Im Oktober 2018 hatten sich Juristen und Sprachexperten aus sechs deutschen Sprachgebieten im belgischen Eupen getroffen, um sich über die Besonderheiten der deutsch-bundesdeutschen Rechtsterminologie auszutauschen. Den Begriff „Bundesdeutsch“ wählten die Tagungsteilnehmer aus den anderen Sprachgebieten – Österreich, Schweiz, Luxemburg, Belgien und Südtirol – zur Abgrenzung ihrer eigenen Rechtssprache. Liechtenstein war nicht vertreten. Sprachpuristen tendieren sogar dazu, selbst dem Deutsch der EU den Status einer eigenen Sprachvariante zuzusprechen.

In den Vorträgen ging es unter anderem um den Entstehungsprozess von ein- und mehrsprachigen Gesetzestexten, um Datenbanken und ein österreichisch-deutsches Wörterbuch der Rechtsterminologie.

Zum Download des vollständigen Fachartikels über diese Tagung klicken Sie unten auf „Herunterladen“. Der Artikel erschien zuerst im MDÜ 5/18.

VonBB

Übersetzer sind wie Ninjas …

Willkommen in der 5. Jahreszeit!

Sind Ihnen in den letzten Tagen mal wieder maskierte Ninjas – meist nur so um einen Meter groß – über den Weg gelaufen? Bei Kindern scheinen Ninjas seit Jahren hoch im Kurs zu stehen. Doch offenbar faszinieren Ninjas nicht nur Kinder, sondern auch Literaturschaffende. Kennen Sie das Zitat „Übersetzer sind wie Ninjas“? Diesen Satz äußerte der israelische Autor Etgar Keret im Jahr 2012 beim Edinburgh International Book Festival. Im Podiumsgespräch präsentierte er sich damals zusammen mit seinem Literaturübersetzer Nathan Englander dem Publikum. Und Keret erläuterte diesen Satz auch einleuchtend: „Wenn man sie bemerkt, taugen sie nichts.“

Umso erfreulicher ist es, wenn der Leser im fertigen Werk nicht über den Übersetzer bzw. die Übersetzerin stolpert. Etgar Keret und Nathan England hatten bei der Übersetzung von Kerets Werk Suddenly A Knock at the Door aus der hebräischen in die englische Sprache eng zusammengearbeitet. Dadurch hatten der Autor und sein Übersetzer sich gegenseitig schätzen gelernt und waren Freunde geworden. Das Publikum gewann das Publikum einen anschaulichen und faszinierenden Eindruck davon, wieviel Mühe und Liebe zum Detail das Übersetzen eines Romans erfordert. Schließlich bekräftigte Keret im Brustton der Überzeugung: „Ohne einen großartigen Übersetzer wird kein Autor erfolgreich sein.“ Was für ein großartiges Lob für einen engagierten Literaturübersetzer!

Dieses Zitat mausert sich allmählich zu einem geflügelten Wort. Bekannt wurde es u. a. durch einen Artikel über die Veranstaltung von Jen Rickard Blair. Unter dem Titel „Translators Are Like Ninjas“ ist er noch auf World Literature Today zu finden.

VonBB

Sprechen Sie PDF?

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PDF überdauert Generationen

Wussten Sie, dass PDF (Portable Document Format) für einen Standard steht, der alle zwei bis vier Jahre weiterentwickelt wird, aber nie widerrufen werden darf? Mit anderen Worten: Auch Ihre Kindeskinder werden Ihre als PDF, vor allem als PDF/A, gespeicherten Dateien voraussichtlich noch lesen können. Angesichts der rasanten Innovation in der IT-Branche klingt das fast zu gut, um wahr zu sein!

Neues aus der PDF-Schmiede

Seit August 2017 ist PDF 2.0 (ISO 32000-2) als neuer Standard verfügbar. Dies ist der erste Standard, der nicht mehr von Adobe, sondern vollständig innerhalb der ISO überarbeitet wurde. Etwa 30 Experten aus der ganzen Welt haben fast zehn Jahre lang daran gearbeitet. Verschiedene wichtige Teile der früheren Formatdefinition wurden überarbeitet. Diese betreffen vor allem auf den PDF/A- und PDF/UA-Standard.

Langzeitarchivierung mit PDF/A

Der PDF/A- Standard stammt urprünglich aus dem Jahr 2005. Für PDF/A – das Format für die Langzeitarchivierung – gelten noch strengere Anforderungen als für das ursprüngliche PDF-Format.

Dadurch ist garantiert, dass heute erstellte Dokumente – z. B. Bau- und Konstruktionspläne mit Aufbewahrungsfristen von 50 bis 99 Jahren – auch in Zukunft noch geöffnet und verwendet werden können.

Kurz gesagt: Alle wesentlichen Informationen müssen im Dokument enthalten sein. Dies betrifft alle sichtbaren Texte, Schriftarten sowie Grafiken (Raster, Vektor) und vieles mehr. Externe Quellen, die zur Darstellung des PDF/A-Dokuments benötigt werden (z. B. Links zu Bildern), dürfen nicht eingebunden sein.

PDF/A untergliedert sich weiter in die Konformitätsstufen A, B und U. Level A beinhaltet zusätzlich folgende Merkmale, die für die Zugänglichkeit (Accessibility) von Inhalten notwendig sind. Dabei überschneiden sich PDF/A-Dateien auf dem Conformance-Level A mit dem PDF/UA-Standard für die barrierefreie Darstellung von Inhalten.

PDF/UA setzt sich durch

Word-Dokumente sind in der Regel für Screenreader lesbar. Diese Programme „lesen“ Bildschirmdarstellungen und setzen die Inhalte für Blinde bzw. Menschen mit einer Sehbehinderung in Sprachausgabe um. Jedoch ist „lesbar“ nicht automatisch gleichbedeutend mit „barrierefrei“. Denn eine Datei oder Website ist jedoch erst dann barrierefrei („zugänglich“), wenn sie z. B. durch das Hinzufügen von Tags Strukturinformationen erhält, durch welche die vorgelesenen Informationen einen Sinn ergeben. Das bedeutet: Vor dem Konvertieren in das Format PDF/UA muss die Quelldatei bereits eine entsprechende sinnstiftende Formatierung besitzen. Beispiele hierfür sind Überschriften, normale Absätze, Listen, Tabellen, Links sowie Alternativ-Texte (Beschreibungen von Bildern und Grafikelementen).

Barrierefreie Dokumente mit Word

Barrierefreie Dokumente lassen sich nicht nur mit Produkten der Adobe Document Cloud oder anderer PDF-Anbieter erzeugen. So bieten z. B. auch Microsoft Word 10 und Word 2016 PDF-Optionen: Hier können Sie zwischen PDF/A und Barrierefreiheit wählen oder auch beide Optionen gleichzeitig auswählen. In Word lässt sich auf der Registerkarte „Überprüfen“ auch gleich die Barrierefreiheitsprüfung für Office-Dokument ausführen, vgl. Screenshot oben.

Neue Anwendungsfelder

Das PDF-Format hat mittlerweile vielfältige Ausprägungen. Während das barrierefreie Format PDF/UA vielen Sehbehinderten neue Möglichkeiten eröffnet, kann PDF/E interaktive 3D-Modelle und weitere Konstruktionsdaten speichern. Die digitale Signatur macht PDF/A zusätzlich interessant für die Bereiche E-Justice und E-Government, aber ebenso für viele Anwendungen im Bereich der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO).

Vertrauliche Daten einfach schützen

PDF-Dateien lassen beim Erstellen ganz einfach mit einem Kennwort versehen. Wenn dieses Kennwort getrennt von der PDF-Datei übermittelt wird, ist dies ein wichtiger und einfacher Schritt in Richtung Datensicherheit.

Verschlüsseln und digital signieren

Eine digitale Signatur bestätigt nicht nur die Echtheit eines Dokuments, sondern ermöglicht auch das Authentifizieren der Identität des Unterzeichners. Zudem kann der Zeitpunkt der Unterzeichnung nachgewiesen werden. Dies gewährleistet Rechtssicherheit für die Langzeitarchivierung. Zur Auswahl stehen hierbei die Signatur mit einer Signaturkarte und einem Zertifikat oder die Fernsignatur von einem Anbieter wie Adobe. Ausführliche Infos zu letzterer Alternative bei Adobe.

eJustice setzt auf PDF/A

Der elektronische Rechtsverkehr (ERV) bezeichnet die Kommunikation mit der Justiz, die sich auf den Weg zur Digitalisierung gemacht hat. Zwar ist eJustice oder auch, je nach Bundesland, die E-Justiz noch nicht flächendeckend umgesetzt, doch das Dateiformat für die Kommunikation mit den Gerichten steht bereits fest: PDF/A. Das Dokument darf weder schreib-, kopier- noch druckgeschützt sein.

Blog – Frei Haus

Wenn Sie regelmäßig über Neuigkeiten aus der Branche der Sprachmittler, Übersetzer und Dolmetscher informiert werden möchten, dann schreiben Sie einfach eine Mail an blog@text-site.de oder besuchen Sie die Seite zur Anmeldung für den Blog von Text_SITE Übersetzungen.

VonBB

7 Fragen an Birgit Bruder

Ein Interview u. a. zu den Themen Kommunikation, Digitalisierung und Erfolg. Eine sehr spannende Frage: „Wie kommunizieren wir Ihrer Ansicht nach in zehn Jahren?“

Die Schweizer Textagentur extextera unter der Leitung von Frau Ruth Hardegger-Wickli war auf Birgit Bruder, Inhaberin von TEXT_SITE Übersetzungen, aufmerksam geworden und hatte um ein Interview geben. Danke für diesen wunderbaren Anstoß zur Selbstreflexion!

Birgit Bruder im Dialog mit etextera

1. Welche Art der Kommunikation spricht Sie an?

Aus meiner Sicht sollte Kommunikation zielgerichtet, informativ und klar sein. Sprachkünstler erschaffen Bilder im Kopf und beherrschen einen Stil, der zugleich frisch und elegant ist. Gute Kommunikation hat stets die Empfänger im Blick, ist zielgruppenorientiert und fair. Selbst in Rechtstexten geht der Trend zu leichter lesbaren Texten. «Leichte Sprache» ist ein grosses Thema in der Verwaltung.

2. An welches Ereignis in Ihrer Karriere erinnern Sie sich am liebsten?

Es gab viele schöne Momente, aber ein bahnbrechendes Ereignis: Der Brief, mit dem sich ein Neukunde für die gute Arbeit bedankte. Auf diesen Erstauftrag folgten eine jahrelange Zusammenarbeit und viele Empfehlungen. Viele dieser Geschäftsbeziehungen bestehen noch heute.

3. Wie macht sich die Digitalisierung in Ihrem Berufsumfeld bemerkbar?

Aufgrund der Globalisierung wird weltweit mehr Volumen in kürzerer Zeit übersetzt, was ohne maschinelle Übersetzungen nicht machbar wäre. Übersetzer werden zunehmend im Post-Editing eingesetzt. In puncto Qualität sind Humanübersetzer den Maschinen deutlich überlegen, denn die Maschinen erlernen nur die Sprache. Logik, Konsistenz oder Rechtssysteme berücksichtigen sie nicht.

4. Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?

Langfristige, partnerschaftliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe ist für mich der Inbegriff des Erfolgs. Ich brenne für glückliche Geschäftspartner, wie jene Kundin, die sich noch Jahre später darüber freute, dass ich inhaltliche Fehler in einem Vertrag gefunden hatte. Trotz des Alltagstrubels meinen übergeordneten Zielen Stück für Stück näherzukommen. Mein Übersetzungsbüro wachsen zu sehen.

5. Dachten Sie früher, dass Sie einmal das tun werden, was Sie heute tun?

Da mir Sprachen zuflogen, las ich die «Blätter zur Berufskunde: Übersetzer» und hielt diesen Berufswunsch danach für unrealistisch. Dass zwischen dem Abitur und Berufseinstieg ein Studium liegt, war mir glatt entgangen. Doch neun Monate im Ausland brachten neue Impulse. Mein Unternehmen ist das Tor zur Welt, fordert und fördert mich und bietet viel Gestaltungsspielraum. Alle Ziele erreicht!

6. Welche Tipps geben Sie Berufseinsteigern?

Den Eintritt in einen Berufsverband kann ich nur empfehlen. Dort findet man Informationen, Fortbildungen und Kontakte. Der Berufsverband der Dolmetscher und Übersetzer BDÜ etwa bietet ein Mentoring-Programm an, das für Berufseinsteiger Gold wert ist. Weitere wichtige Erfolgsfaktoren sind die gute Allgemeinbildung und der optimale Mix aus Diversifizierung und Spezialisierung.

7. Wie kommunizieren wir Ihrer Ansicht nach in zehn Jahren?

Schon jetzt sind viele Schriftstücke fehlerhaft. Die Menschen lesen immer weniger offline, also weniger Texte von hoher Qualität. So manches Online-Portal zeigt bereits unbearbeitete maschinelle Übersetzungen an. Ganz zu schweigen von smarten Lautsprechern, Chatbots und LegalTech. Beides ist vorstellbar: Qualitätsarbeit wird nicht mehr honoriert oder Sprachprofis werden zu gesuchten Exoten.

Die Blogrubik „7 Fragen“ von extextera finden Sie hier: https://www.etextera.ch/news/540/106/7-Fragen-an-Birgit-Bruder.html

VonBB

Tagung Zivil- und Strafrecht

Dolmetscher und Übersetzer tagen beim BDÜ Saar

Die diesjährige Fortbildungssaison startete bereits am 11. Januar 2019 kurz vor sechs Uhr. Der Weg führte nach Saarbrücken. Dort hielten Prof. Dr. Dr. Thomas Jergen und Prof. Dr. Tinka Reichmann das zweitägige Seminar „Aktuelle Entwicklungen des deutschen Zivil- und Strafrechts für Übersetzer und Dolmetscher“, zu dem auch die Richter Herr Dr. Sigurd Wern und Frau Dr. Christiane Schmitt vom Landgericht Saarbrücken eingeladen waren.

Das Seminar beinhaltete u. a. neue deutsche Rechtsterminologie aufgrund von Gesetzesänderungen, verschiedene Arten von zivilrechtlichen Gerichtsentscheidungen und Rechtsmitteln, die Instanzenzüge, den Strafrechtsprozess und die Arbeit der Staatsanwaltschaft. Auch die Europäische Erbrechtsverordnung, das Betreuungsrecht und § 22 des Personenstandsgesetzes (Fehlende Angaben) kamen zur Sprache.

Die vier Experten gaben wertvolle Einblicke in ihre Arbeit und Erfahrungen bezüglich der Zusammenarbeit mit Übersetzern und Dolmetschern, die in keinem Lehrbuch zu finden sind.

Zudem referierte Frau Prof. Dr. Reichmann vom Institut für Angewandte Linguistik und Translatologie der Universität Leipzig über ihre aktuelle Studie zu Textsorten in „Strafakten und deren Übersetzungen“.

Gleichzeitig bescherte der erste Seminartag uns eine Überraschung, denn der Trend geht wieder zu mehr Juristenlatein: Ex nunc. Sollte sich mein Kleines Latinum nun also doch noch rentieren?

eJustice

Die Digitalisierung macht selbst vor den Gerichtssälen nicht halt. Die Wirtschaftsstrafkammer des LG Saarbrücken hat eine Personenführungsanlage für ihre Dolmetscher, die zunehmend simultan arbeiten. Nach § 185, Abs. 1a des Gerichtsverfassungsgesetzes ist nun das Videodolmetschen während der Verhandlung, Anhörung oder Vernehmung zulässig. Jedoch waren sich die Referenten und anwesenden Dolmetscher einig, dass hierbei wichtige nonverbale Informationen verloren gehen können. Weiterhin wies eine französische Kollegin auf den voll digitalisierten Sitzungssaal des Appelationsgerichtshof in Paris hin.

Gehilfen des Gericht

Darüber hinaus gab es im Jahr 2018 gleich mehrere Urteile zur Stellung der Dolmetscher und Übersetzer im Gerichtsfahren. Besonders bedeutsam: Das BGH-Urteil vom 1.3.2018, nach dem keinerlei Ermessensspielraum besteht, ob für Verfahrensbeteiligte, die nicht der deutschen Sprache mächtig sind, ein Dolmetscher hinzuzuziehen ist. Prof. Dr. Dr. Jergen wies darauf hin, dass Dolmetscher und Übersetzer Gehilfen des Gerichts sind, und zwar im Sinne von Amtshilfe. Durch die jüngsten Urteile sei unsere Position gestärkt worden.

Danke!

Insgesamt waren diese beiden Tage in Saarbrücken angefüllt mit wertvollen Informationen und interessanten Begegnungen mit Kollegen aus mehreren Ländern. Und es bleibt noch die Vorfreude auf den angekündigten „service après-vente“.