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Kategorien-Archiv News

VonBB

Fachartikel „Nationale Variation in der deutschen Rechtsterminologie“

Download des vollständigen Fachartikels

Im Oktober 2018 hatten sich Juristen und Sprachexperten aus sechs deutschen Sprachgebieten im belgischen Eupen getroffen, um sich über die Besonderheiten der deutsch-bundesdeutschen Rechtsterminologie auszutauschen. Den Begriff „Bundesdeutsch“ wählten die Tagungsteilnehmer aus den anderen Sprachgebieten – Österreich, Schweiz, Luxemburg, Belgien und Südtirol – zur Abgrenzung ihrer eigenen Rechtssprache. Liechtenstein war nicht vertreten. Sprachpuristen tendieren sogar dazu, selbst dem Deutsch der EU den Status einer eigenen Sprachvariante zuzusprechen.

In den Vorträgen ging es unter anderem um den Entstehungsprozess von ein- und mehrsprachigen Gesetzestexten, um Datenbanken und ein österreichisch-deutsches Wörterbuch der Rechtsterminologie.

Zum Download des vollständigen Fachartikels über diese Tagung klicken Sie unten auf „Herunterladen“. Der Artikel erschien zuerst im MDÜ 5/18.

VonBB

Übersetzer sind wie Ninjas …

Willkommen in der 5. Jahreszeit!

Sind Ihnen in den letzten Tagen mal wieder maskierte Ninjas – meist nur so um einen Meter groß – über den Weg gelaufen? Bei Kindern scheinen Ninjas seit Jahren hoch im Kurs zu stehen. Doch offenbar faszinieren Ninjas nicht nur Kinder, sondern auch Literaturschaffende. Kennen Sie das Zitat „Übersetzer sind wie Ninjas“? Diesen Satz äußerte der israelische Autor Etgar Keret im Jahr 2012 beim Edinburgh International Book Festival. Im Podiumsgespräch präsentierte er sich damals zusammen mit seinem Literaturübersetzer Nathan Englander dem Publikum. Und Keret erläuterte diesen Satz auch einleuchtend: „Wenn man sie bemerkt, taugen sie nichts.“

Umso erfreulicher ist es, wenn der Leser im fertigen Werk nicht über den Übersetzer bzw. die Übersetzerin stolpert. Etgar Keret und Nathan England hatten bei der Übersetzung von Kerets Werk Suddenly A Knock at the Door aus der hebräischen in die englische Sprache eng zusammengearbeitet. Dadurch hatten der Autor und sein Übersetzer sich gegenseitig schätzen gelernt und waren Freunde geworden. Das Publikum gewann das Publikum einen anschaulichen und faszinierenden Eindruck davon, wieviel Mühe und Liebe zum Detail das Übersetzen eines Romans erfordert. Schließlich bekräftigte Keret im Brustton der Überzeugung: „Ohne einen großartigen Übersetzer wird kein Autor erfolgreich sein.“ Was für ein großartiges Lob für einen engagierten Literaturübersetzer!

Dieses Zitat mausert sich allmählich zu einem geflügelten Wort. Bekannt wurde es u. a. durch einen Artikel über die Veranstaltung von Jen Rickard Blair. Unter dem Titel „Translators Are Like Ninjas“ ist er noch auf World Literature Today zu finden.

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Sprechen Sie PDF?

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PDF überdauert Generationen

Wussten Sie, dass PDF (Portable Document Format) für einen Standard steht, der alle zwei bis vier Jahre weiterentwickelt wird, aber nie widerrufen werden darf? Mit anderen Worten: Auch Ihre Kindeskinder werden Ihre als PDF, vor allem als PDF/A, gespeicherten Dateien voraussichtlich noch lesen können. Angesichts der rasanten Innovation in der IT-Branche klingt das fast zu gut, um wahr zu sein!

Neues aus der PDF-Schmiede

Seit August 2017 ist PDF 2.0 (ISO 32000-2) als neuer Standard verfügbar. Dies ist der erste Standard, der nicht mehr von Adobe, sondern vollständig innerhalb der ISO überarbeitet wurde. Etwa 30 Experten aus der ganzen Welt haben fast zehn Jahre lang daran gearbeitet. Verschiedene wichtige Teile der früheren Formatdefinition wurden überarbeitet. Diese betreffen vor allem auf den PDF/A- und PDF/UA-Standard.

Langzeitarchivierung mit PDF/A

Der PDF/A- Standard stammt urprünglich aus dem Jahr 2005. Für PDF/A – das Format für die Langzeitarchivierung – gelten noch strengere Anforderungen als für das ursprüngliche PDF-Format.

Dadurch ist garantiert, dass heute erstellte Dokumente – z. B. Bau- und Konstruktionspläne mit Aufbewahrungsfristen von 50 bis 99 Jahren – auch in Zukunft noch geöffnet und verwendet werden können.

Kurz gesagt: Alle wesentlichen Informationen müssen im Dokument enthalten sein. Dies betrifft alle sichtbaren Texte, Schriftarten sowie Grafiken (Raster, Vektor) und vieles mehr. Externe Quellen, die zur Darstellung des PDF/A-Dokuments benötigt werden (z. B. Links zu Bildern), dürfen nicht eingebunden sein.

PDF/A untergliedert sich weiter in die Konformitätsstufen A, B und U. Level A beinhaltet zusätzlich folgende Merkmale, die für die Zugänglichkeit (Accessibility) von Inhalten notwendig sind. Dabei überschneiden sich PDF/A-Dateien auf dem Conformance-Level A mit dem PDF/UA-Standard für die barrierefreie Darstellung von Inhalten.

PDF/UA setzt sich durch

Word-Dokumente sind in der Regel für Screenreader lesbar. Diese Programme „lesen“ Bildschirmdarstellungen und setzen die Inhalte für Blinde bzw. Menschen mit einer Sehbehinderung in Sprachausgabe um. Jedoch ist „lesbar“ nicht automatisch gleichbedeutend mit „barrierefrei“. Denn eine Datei oder Website ist jedoch erst dann barrierefrei („zugänglich“), wenn sie z. B. durch das Hinzufügen von Tags Strukturinformationen erhält, durch welche die vorgelesenen Informationen einen Sinn ergeben. Das bedeutet: Vor dem Konvertieren in das Format PDF/UA muss die Quelldatei bereits eine entsprechende sinnstiftende Formatierung besitzen. Beispiele hierfür sind Überschriften, normale Absätze, Listen, Tabellen, Links sowie Alternativ-Texte (Beschreibungen von Bildern und Grafikelementen).

Barrierefreie Dokumente mit Word

Barrierefreie Dokumente lassen sich nicht nur mit Produkten der Adobe Document Cloud oder anderer PDF-Anbieter erzeugen. So bieten z. B. auch Microsoft Word 10 und Word 2016 PDF-Optionen: Hier können Sie zwischen PDF/A und Barrierefreiheit wählen oder auch beide Optionen gleichzeitig auswählen. In Word lässt sich auf der Registerkarte „Überprüfen“ auch gleich die Barrierefreiheitsprüfung für Office-Dokument ausführen, vgl. Screenshot oben.

Neue Anwendungsfelder

Das PDF-Format hat mittlerweile vielfältige Ausprägungen. Während das barrierefreie Format PDF/UA vielen Sehbehinderten neue Möglichkeiten eröffnet, kann PDF/E interaktive 3D-Modelle und weitere Konstruktionsdaten speichern. Die digitale Signatur macht PDF/A zusätzlich interessant für die Bereiche E-Justice und E-Government, aber ebenso für viele Anwendungen im Bereich der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO).

Vertrauliche Daten einfach schützen

PDF-Dateien lassen beim Erstellen ganz einfach mit einem Kennwort versehen. Wenn dieses Kennwort getrennt von der PDF-Datei übermittelt wird, ist dies ein wichtiger und einfacher Schritt in Richtung Datensicherheit.

Verschlüsseln und digital signieren

Eine digitale Signatur bestätigt nicht nur die Echtheit eines Dokuments, sondern ermöglicht auch das Authentifizieren der Identität des Unterzeichners. Zudem kann der Zeitpunkt der Unterzeichnung nachgewiesen werden. Dies gewährleistet Rechtssicherheit für die Langzeitarchivierung. Zur Auswahl stehen hierbei die Signatur mit einer Signaturkarte und einem Zertifikat oder die Fernsignatur von einem Anbieter wie Adobe. Ausführliche Infos zu letzterer Alternative bei Adobe.

eJustice setzt auf PDF/A

Der elektronische Rechtsverkehr (ERV) bezeichnet die Kommunikation mit der Justiz, die sich auf den Weg zur Digitalisierung gemacht hat. Zwar ist eJustice oder auch, je nach Bundesland, die E-Justiz noch nicht flächendeckend umgesetzt, doch das Dateiformat für die Kommunikation mit den Gerichten steht bereits fest: PDF/A. Das Dokument darf weder schreib-, kopier- noch druckgeschützt sein.

Blog – Frei Haus

Wenn Sie regelmäßig über Neuigkeiten aus der Branche der Sprachmittler, Übersetzer und Dolmetscher informiert werden möchten, dann schreiben Sie einfach eine Mail an blog@text-site.de oder besuchen Sie die Seite zur Anmeldung für den Blog von Text_SITE Übersetzungen.

VonBB

7 Fragen an Birgit Bruder

Ein Interview u. a. zu den Themen Kommunikation, Digitalisierung und Erfolg. Eine sehr spannende Frage: „Wie kommunizieren wir Ihrer Ansicht nach in zehn Jahren?“

Die Schweizer Textagentur extextera unter der Leitung von Frau Ruth Hardegger-Wickli war auf Birgit Bruder, Inhaberin von TEXT_SITE Übersetzungen, aufmerksam geworden und hatte um ein Interview geben. Danke für diesen wunderbaren Anstoß zur Selbstreflexion!

Birgit Bruder im Dialog mit etextera

1. Welche Art der Kommunikation spricht Sie an?

Aus meiner Sicht sollte Kommunikation zielgerichtet, informativ und klar sein. Sprachkünstler erschaffen Bilder im Kopf und beherrschen einen Stil, der zugleich frisch und elegant ist. Gute Kommunikation hat stets die Empfänger im Blick, ist zielgruppenorientiert und fair. Selbst in Rechtstexten geht der Trend zu leichter lesbaren Texten. «Leichte Sprache» ist ein grosses Thema in der Verwaltung.

2. An welches Ereignis in Ihrer Karriere erinnern Sie sich am liebsten?

Es gab viele schöne Momente, aber ein bahnbrechendes Ereignis: Der Brief, mit dem sich ein Neukunde für die gute Arbeit bedankte. Auf diesen Erstauftrag folgten eine jahrelange Zusammenarbeit und viele Empfehlungen. Viele dieser Geschäftsbeziehungen bestehen noch heute.

3. Wie macht sich die Digitalisierung in Ihrem Berufsumfeld bemerkbar?

Aufgrund der Globalisierung wird weltweit mehr Volumen in kürzerer Zeit übersetzt, was ohne maschinelle Übersetzungen nicht machbar wäre. Übersetzer werden zunehmend im Post-Editing eingesetzt. In puncto Qualität sind Humanübersetzer den Maschinen deutlich überlegen, denn die Maschinen erlernen nur die Sprache. Logik, Konsistenz oder Rechtssysteme berücksichtigen sie nicht.

4. Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?

Langfristige, partnerschaftliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe ist für mich der Inbegriff des Erfolgs. Ich brenne für glückliche Geschäftspartner, wie jene Kundin, die sich noch Jahre später darüber freute, dass ich inhaltliche Fehler in einem Vertrag gefunden hatte. Trotz des Alltagstrubels meinen übergeordneten Zielen Stück für Stück näherzukommen. Mein Übersetzungsbüro wachsen zu sehen.

5. Dachten Sie früher, dass Sie einmal das tun werden, was Sie heute tun?

Da mir Sprachen zuflogen, las ich die «Blätter zur Berufskunde: Übersetzer» und hielt diesen Berufswunsch danach für unrealistisch. Dass zwischen dem Abitur und Berufseinstieg ein Studium liegt, war mir glatt entgangen. Doch neun Monate im Ausland brachten neue Impulse. Mein Unternehmen ist das Tor zur Welt, fordert und fördert mich und bietet viel Gestaltungsspielraum. Alle Ziele erreicht!

6. Welche Tipps geben Sie Berufseinsteigern?

Den Eintritt in einen Berufsverband kann ich nur empfehlen. Dort findet man Informationen, Fortbildungen und Kontakte. Der Berufsverband der Dolmetscher und Übersetzer BDÜ etwa bietet ein Mentoring-Programm an, das für Berufseinsteiger Gold wert ist. Weitere wichtige Erfolgsfaktoren sind die gute Allgemeinbildung und der optimale Mix aus Diversifizierung und Spezialisierung.

7. Wie kommunizieren wir Ihrer Ansicht nach in zehn Jahren?

Schon jetzt sind viele Schriftstücke fehlerhaft. Die Menschen lesen immer weniger offline, also weniger Texte von hoher Qualität. So manches Online-Portal zeigt bereits unbearbeitete maschinelle Übersetzungen an. Ganz zu schweigen von smarten Lautsprechern, Chatbots und LegalTech. Beides ist vorstellbar: Qualitätsarbeit wird nicht mehr honoriert oder Sprachprofis werden zu gesuchten Exoten.

Die Blogrubik „7 Fragen“ von extextera finden Sie hier: https://www.etextera.ch/news/540/106/7-Fragen-an-Birgit-Bruder.html

VonBB

Tagung Zivil- und Strafrecht

Dolmetscher und Übersetzer tagen beim BDÜ Saar

Die diesjährige Fortbildungssaison startete bereits am 11. Januar 2019 kurz vor sechs Uhr. Der Weg führte nach Saarbrücken. Dort hielten Prof. Dr. Dr. Thomas Jergen und Prof. Dr. Tinka Reichmann das zweitägige Seminar „Aktuelle Entwicklungen des deutschen Zivil- und Strafrechts für Übersetzer und Dolmetscher“, zu dem auch die Richter Herr Dr. Sigurd Wern und Frau Dr. Christiane Schmitt vom Landgericht Saarbrücken eingeladen waren.

Das Seminar beinhaltete u. a. neue deutsche Rechtsterminologie aufgrund von Gesetzesänderungen, verschiedene Arten von zivilrechtlichen Gerichtsentscheidungen und Rechtsmitteln, die Instanzenzüge, den Strafrechtsprozess und die Arbeit der Staatsanwaltschaft. Auch die Europäische Erbrechtsverordnung, das Betreuungsrecht und § 22 des Personenstandsgesetzes (Fehlende Angaben) kamen zur Sprache.

Die vier Experten gaben wertvolle Einblicke in ihre Arbeit und Erfahrungen bezüglich der Zusammenarbeit mit Übersetzern und Dolmetschern, die in keinem Lehrbuch zu finden sind.

Zudem referierte Frau Prof. Dr. Reichmann vom Institut für Angewandte Linguistik und Translatologie der Universität Leipzig über ihre aktuelle Studie zu Textsorten in „Strafakten und deren Übersetzungen“.

Gleichzeitig bescherte der erste Seminartag uns eine Überraschung, denn der Trend geht wieder zu mehr Juristenlatein: Ex nunc. Sollte sich mein Kleines Latinum nun also doch noch rentieren?

eJustice

Die Digitalisierung macht selbst vor den Gerichtssälen nicht halt. Die Wirtschaftsstrafkammer des LG Saarbrücken hat eine Personenführungsanlage für ihre Dolmetscher, die zunehmend simultan arbeiten. Nach § 185, Abs. 1a des Gerichtsverfassungsgesetzes ist nun das Videodolmetschen während der Verhandlung, Anhörung oder Vernehmung zulässig. Jedoch waren sich die Referenten und anwesenden Dolmetscher einig, dass hierbei wichtige nonverbale Informationen verloren gehen können. Weiterhin wies eine französische Kollegin auf den voll digitalisierten Sitzungssaal des Appelationsgerichtshof in Paris hin.

Gehilfen des Gericht

Darüber hinaus gab es im Jahr 2018 gleich mehrere Urteile zur Stellung der Dolmetscher und Übersetzer im Gerichtsfahren. Besonders bedeutsam: Das BGH-Urteil vom 1.3.2018, nach dem keinerlei Ermessensspielraum besteht, ob für Verfahrensbeteiligte, die nicht der deutschen Sprache mächtig sind, ein Dolmetscher hinzuzuziehen ist. Prof. Dr. Dr. Jergen wies darauf hin, dass Dolmetscher und Übersetzer Gehilfen des Gerichts sind, und zwar im Sinne von Amtshilfe. Durch die jüngsten Urteile sei unsere Position gestärkt worden.

Danke!

Insgesamt waren diese beiden Tage in Saarbrücken angefüllt mit wertvollen Informationen und interessanten Begegnungen mit Kollegen aus mehreren Ländern. Und es bleibt noch die Vorfreude auf den angekündigten „service après-vente“.

VonBB

Jahresrückblick 2018

Fortbildungen, Fachtagungen und Feedback

Ein ereignisreiches Jahr ist so gut wie vorüber. Die Kurzbilanz kann sich sehen lassen: Vier Zertifikate, eine Veröffentlichung, viel positives Feedback sowie zahlreiche neue Kontakte. Für das kommende Jahr ist der Jahresterminkalender schon gut gefüllt, die wesentlichen Fachtagungen stehen fest – die nächsten Ziele sind gesteckt.

Wissen

2018 war ein Jahr der Fachtagungen und Kongresse. Hier nur ein kleiner Auszug:

Zu Jahresbeginn befasste ich mich mit der Maschinellen Übersetzung, testete DeepL (in Kundenprojekten nur nach Vorankündigung) und informierte mich über LegalTech. Die Kurzfassung hierzu: DeepL leistet noch nicht das, was es verspricht. Diese Meinung teilen auch verschiedene Kollegen.

Im März 2018 durfte ich u. a. Michael Dell, CEO der Dell Technologies Inc., bei der Konferenz „The Next Now“ in München erleben. Ein besonders beeindruckender Satz von ihm lautete: „Wir sind der Politik immer sieben Jahre voraus.“

Im September richtete der ATICOM – Fachverband der Berufsübersetzer und Berufsdolmetscher e.V. – in Bonn das 13. International Legal Forum (ILF) der Fédération Internationale des Traducteurs (FIT) aus. Dies ist der weltweite Dachverband von mehr als 100 nationalen Übersetzer-, Dolmetscher- und Terminologenverbänden mit über 100.000 Übersetzern in 55 Ländern. Thematisiert wurden u. a. die Digitalisierung und Qualitätssicherung, Outsourcing, Technik und weitere aktuelle Entwicklungen. Besonders erfreulich, war es zu hören, dass der Sprachendienst des Europaparlaments wieder vermehrt auf Freiberufler zurückgreifen möchte, weil Agenturen den für die Qualität so wesentlichen Direktkontakt zwischen Auftraggeber und Übersetzerin vorzugweise unterbinden.

Ebenfalls im September tagte in Saarbrücken der Deutsche EDV-Gerichtstag, dem ich aufgrund eines ehrenamtlichen Engagements beigetreten war. Neben interessanten Gesprächen und neuen Kontakten konnte ich einen hervorragenden Überblick über den Stand von „E-Justice“ in Deutschland und auf europäischer Ebene gewinnen.

Im Oktober ging es ins belgische Eupen. Dort trafen sich Juristen und Sprachmittler, um Experten aus sechs der sieben deutschen Sprachgebiete bei der Fachtagung „Nationale Variation in der deutschen Rechtsterminologie“ zu hören. Einer der Referenten, der österreichische Sprachwissenschaftler Prof. Dr. Rudolf Muhr, berichtete u. a. von 69 „falschen Freunden“ zwischen der österreichischen und bundesdeutschen Rechtssprache. Weitere Informationen dazu finden Sie in dem von mir verfassten MDÜ-Fachartikel.

Zertifikate

Im Bereich computergestützte Übersetzung habe ich die erste und zweite Zertifizierungsstufe für das CAT-Tool SDL Studio 2017 erlangt. Zudem war im Dezember endlich noch etwas Zeit übrig, um die Zertifizierung für die Terminologieverwaltung MultiTerm 2017 nachzuschieben.

Außerdem habe ich im Dezember das Zertifikat Rechtssprache Deutsch nach einem sechswöchigen Online-Lehrgang, zweiwöchigen Selbststudium und einer Präsenzprüfung in Braunschweig erworben. Während die meisten zivilrechtlichen Themen der Selbstkontrolle dienten, erhielt ich im Straf- und öffentlichen Verwaltungsrecht wertvolle Einblicke.

Feedback

Im Laufe des Jahres 2018 hatte ich mehrere langjährige Kunden um ein Empfehlungsschreiben gebeten. Von dem durchweg sehr positiven Feedback war ich tief beeindruckt. Die langjährige erfolgreiche und partnerschaftliche Zusammenarbeit ist für mich zugleich eine Ehre und ein Ansporn.

Weiterhin durfte ich für einen Neukunden ein Whitepaper im Bereich Marketing übersetzen. Wir waren übereinstimmend der Ansicht, dass die Übersetzung sehr gut gelungen ist. Daraufhin hat der Kunde freundlicherweise einen Auszug aus diesem Whitepaper als anonymisiertes Übersetzungsbeispiel freigegeben, das ich auf Anfrage gerne verschicke.

Sprachtraining

Seit Oktober unterrichte ich außerdem Fachenglisch in einer Akademie in Stuttgart. Zwei der drei Kurse sind eher IT-lastig und im Kreativbereich angesiedelt. Der dritte Kurs im Technischen Produktdesign ist eine Herausforderung, aber man wächst ja bekanntlich mit seinen Aufgaben. Wenn Teilnehmer mit eher geringen Einsteigerkenntnissen in dem eigens für sie entwickelten Kurs Erfolgserlebnisse haben, macht sogar Technik Spaß!

Ausblick

Soweit mein persönlicher Rückblick. Das Resümee für die gesamte Branche hatte der SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil in der ARD-Talkshow „Anne Will“ am 25.11.2018 gezogen und den Übersetzern und Dolmetschern pauschal das Aussterben ihrer Branche prognostiziert. Die Antwort des BDÜ e.V. können Sie in der Medieninformation vom 28.11.2018 nachlesen.

Ich selbst bleibe – wie auch mein Berufsverband – optimistisch gestimmt. Denn bei der tekom Messe 2018 in Stuttgart sagte einer der Aussteller mir gegenüber: „Die Übersetzer sind unsere Versicherung!“ Bisher unterscheiden Engines wie DeepL noch nicht einmal nach regionalen Sprachvarianten (ergo auch nach Besonderheiten in den verschiedenen Rechtssystemen). Somit sind hoch spezialisierte Sprachmittler noch lange nicht überflüssig.

Danke!

Angesichts dieses vielseitigen und reichhaltigen Jahresrückblicks empfinde ich große Dankbarkeit und Zufriedenheit. Ich freue mich auf eine weitere partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Ihnen sowie auf viele Neukontakte!

Ich wünsche Ihnen und allen, die Ihnen lieb und wichtig sind, ein erfolgreiches, gesundes und glückliches Jahr 2019.

Herzliche Grüße

Birgit Bruder

VonBB

„Nationale Variation in der deutschen Rechtsterminologie“

Vorschau

Mein Artikel über die Fachtagung „Nationale Variation in der deutschen Rechtsterminologie“ ist im Mitteilungsblatt für Dolmetscher und Übersetzer (MDÜ) des Bundesverbands der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ e.V.) in der Ausgabe 5/2018 erschienen. Diese internationale Tagung fand im Oktober im belgischen Eupen statt. Experten aus sechs von sieben deutschen Sprachgebieten waren angereist und hielten äußerst interessante Vorträge über Datenbanken, den Entstehungsprozess der Rechtsterminologie in ihrem jeweilen Sprachgebiet, über neue Wörterbücher etc.

Unten sehen Sie die Preview-Seite, soweit der Autorenvertrag zu diesem Zeitpunkt die Veröffentlichung bereits zulässt. Das MDÜ erhalten Sie beim BDÜ-Fachverlag. Oder Sie schauen demnächst wieder hier vorbei, wenn der vollständige Artikel verfügbar wird.

Das Bild zeigt als Vorschau die erste Viertelseite eines Fachartikels über eine Tagung mit dem Titel "Nationale Variation in der deutschen Rechtsterminologie."
Vorschau des im MDü 5/2018 erscheinenen Fachartikels

VonBB

De-Mail

Die virtuelle Postkarte                          

Würden Sie vertrauliche Daten per Postkarte verschicken? Unverschlüsselte E-Mails können abgefangen und mitgelesen werden. Daher bieten sie ebenso viel bzw. wenig Sicherheit wie eine Postkarte.

Ihre persönlichen Daten können Sie schützen, indem Sie vertrauliche Informationen nicht in die Mail selbst schreiben. Hängen Sie lieber Ihre Daten und Dokumente als PDF-Datei (mit Kennwortschutz) an eine E-Mail an. Eine PDF-Datei erzeugen Sie im Handumdrehen: Wählen Sie beim Speichern eines Office-Dokuments „Speichern unter“ -> „PDF“ aus.

Mehr als eine virtuelle Postkarte

Eine einfache Alternative hierzu ist De-Mail: Bequem und sicher. Denn die mit De-Mail versandten Daten sind automatisch durch die Transportverschlüsselung geschützt. Zur Sicherheit können Sie auch hier zusätzlich auf das PDF-Format zurückgreifen.

De-Mail an TEXT_SITE

Als beeidigte Urkundenübersetzerin bin ich mit folgendem De-Mail-Konto registriert: birgit.bruder@t-online.de-mail.de. Meine Kontaktdaten finden Sie auch in dem Verzeichnis, das innerhalb der De-Mail-Umgebung angeboten wird.

Noch mehr Sicherheit

Für noch mehr Sicherheit können Sie die Ende-bis-Ende-Verschlüsselung aktivieren. Allerdings muss auch der Empfänger Ihrer Mail ebenfalls die erhöhte Sicherheitsstufe eingestellt haben. Mein De-Mail-Konto ist bereits für die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung vorbereitet.

Betreffzeile bleibt unverschlüsselt

Die Betreffzeile Ihrer Mail wird nicht mitverschlüsselt. Somit kann sie von Fremden mitgelesen werden. Deshalb sollten Sie dort keine vertraulichen Daten eingeben.

Ihr eigenes De-Mail-Postfach

Sie haben noch keine De-Mail Adresse? Diese können Sie einfach bei den De-Mail-Diensteanbietern (1&1, Telekom, gmx, web.de, Mentana-Claimsoft) registrieren. Sobald Sie das Ident-Verfahren erfolgreich durchlaufen haben, wird es für Sie freigeschaltet. Je nach Anbieter sogar kostenfrei.

Weitere Informationen zu De-Mail finden Sie auf der De-Mail-Infoseite www.de-mail.info

Die sichere Übermittlung von vertraulichen Daten und Dateien wird immer wichtiger. Deshalb finden Sie weitere Informationen auf der Infoseite zur Datensicherheit.

De-Mail Logo: Nutzungsrechte mit freundlicher Genehmigung des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat


VonBB

Fachübersetzer – schon im alten Babylon

Übersetzen und Dolmetschen: Ein Traditionsberuf

Wenn Fachübersetzer auf Reisen gehen, führt der Weg schon mal in das kulturell überaus interessante Städtchen Tübingen. Nicht nur die Dichter und Denker locken. Auch die im Schloss Hohentübingen ausgestellten Sammlungen der Universität Tübingen (MUT) sind sehr vielseitig und ansprechend präsentiert.

Ein Exponat aus Babylon ist für Sprachmittler ganz besonders interessant: Das Foto unten zeigt ein Fragment eines fast 3.000 Jahre alten Fachwörterbuchs. Darin geht es u.a. um Körperteile. Das Fragment stammt ca. aus dem 9.-7. Jhd.

Kaum vorstellbar, was für einen Umfang das gesamte Wörterbuch gehabt haben dürfte!

Medizinwörterbuch - Fachübersetzer gab es schon im alten Babylon

Foto: Birgit Bruder, mit freundlicher Genehmigung von Prof. Dr. Ernst Seidl, MUT

 

VonBB

Bitte ins Englische übersetzen: „Gerichtsstand“

Frage:

Wie lautet die korrekte Übersetzung von „Gerichtsstand“?

Antwort:

Well, it depends … Wollen Sie einen Vertrag oder eine zivilrechtliche Klageschrift übersetzen?

 

Beim Übersetzen ist die ZPO zu berücksichtigen?

Geht es um eine Übersetzung, in der die deutsche Zivilprozessordnung maßgeblich ist? In der offiziellen Übersetzung der ZPO (Code of Civil Procedure) wird in § 12 der „allgemeine Gerichtsstand“ übersetzt mit: „general venue“. In §§ 36 ff. dagegen steht „jurisdiction“.

 

Übersetzung ins Britische oder Amerikanische Englisch?

Großbritannien

Geht es um einen Sachverhalt vor oder nach 1999? Lord Woolf reformierte das Zivilrecht und damit die englische Rechtssprache. Seine Civil Procedure Rules 1998 traten am 26. April 1999 in Kraft. Einen (allgemeinen) Gerichtsstand, wie wir ihn kennen, gibt es nur in einigen Ausnahmen, z. B. bei Immobiliengeschäften. Dementsprechend ist abzuwägen, wie man den Sachverhalt am besten erläuternd übersetzt.

Die Civil Procedure Rules (CPR) gelten allerdings nur für England und Wales. Schottland arbeitet derzeit an seinen New Civil Procedure Rules. Soweit bereits bekannt werden sie denen von England und Wales zukünftig ähnlicher sein. Für Nordirland und die Republik Irland sollte man wiederum eigens recherchieren.

Commonwealth

Möglicherweise benötigen Sie diese Übersetzung für ein Gericht in Hongkong? Wobei wir natürlich zwischen dem Festland (chinesisches Recht) und der Sonderverwaltungszone Hongkong unterscheiden, deren Rules of the High Court (RHC) für Zivilprozesse 2009 reformiert wurden.

Vereinigte Staaten

Die Amerikaner dagegen verwenden in Verträgen üblicherweise „place of jurisdiction“, wobei venue auf US-Legal.com folgendermaßen definiert ist: „For civil cases, venue is usually the district or county which is the residence of a principal defendant or where they regularly conduct business, where a contract was executed or is to be performed, or where an accident took place.“

Vertraglich vereinbarter Gerichtsstand in England

Die britischen Anwaltskanzlei Stephenson Harwood LLP informiert dazu: Wenn Vertragsparteien in einem nach englischem Recht wirksamen Vertrag regeln, dass die englischen Gerichte für Streitigkeiten aus dem Vertrag zuständig sein sollen („confer jurisdiction exclusively on the English Courts to settle any disputes arising under that agreement“), liegt die ausschließliche Zuständigkeit bei den englischen Gerichten. Selbst dann, wenn keine der Parteien ihren Wohn- bzw. Firmensitz in dieser Jurisdiktion hat.

Sonderfall EU

Oder geht es vielleicht um eine EU-Verordnung wie die Standardvertragsklauseln zum internationalen Datentransfer? Dann wären wir doch wieder bei „jurisdiction“ – wie in Klausel 7 verwendet. Laut David Hutchins, dem britischen Experten für Rechtssprache, bedeutet dieser Begriff im Britischen Englisch allerdings „Gerichtszuständigkeit“ bzw. „Gerichtsbezirk“.

Würden Sie allerdings andere EU-Dokumente heranziehen, z. B. die Verordnung (EU) Nr. 1215/2012 über die gerichtliche Zuständigkeit und die Vollstreckung gerichtlicher Entscheidungen in Zivil- und Handelssachen, finden Sie in Ziffer 32 auch die Formulierung „forum generale“. Im Übrigen steht der Wohnsitz (auch von Unternehmen) im Mittelpunkt dieser Verordnung. Englisch: „to be domiciled“.

Fazit

Die einzig korrekte Kurzantwort auf die scheinbare simple Frage lautet also:

Das kann ich Ihnen erst beantworten, wenn ich den Sachverhalt kenne! Denn: Übersetzer übersetzen Inhalte – nicht Wörter!

Eins noch …

Frage: Was würden Sie Shakespeare auf seine Frage „What’s in a name?“ antworten?

Antwort: Ganz einfach: A whole lot of food for thought!