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Zivil- und Strafrecht

VonBB

Zivil- und Strafrecht

Dolmetscher und Übersetzer tagen beim BDÜ Saar

Die diesjährige Fortbildungssaison startete bereits am 11. Januar 2019 kurz vor sechs Uhr. Der Weg führte nach Saarbrücken. Dort hielten Prof. Dr. Dr. Thomas Jergen und Prof. Dr. Tinka Reichmann das zweitägige Seminar „Aktuelle Entwicklungen des deutschen Zivil- und Strafrechts für Übersetzer und Dolmetscher“, zu dem auch die Richter Herr Dr. Sigurd Wern und Frau Dr. Christiane Schmitt vom Landgericht Saarbrücken eingeladen waren.

Das Seminar beinhaltete u. a. neue deutsche Rechtsterminologie aufgrund von Gesetzesänderungen, verschiedene Arten von zivilrechtlichen Gerichtsentscheidungen und Rechtsmitteln, die Instanzenzüge, den Strafrechtsprozess und die Arbeit der Staatsanwaltschaft. Auch die Europäische Erbrechtsverordnung, das Betreuungsrecht und § 22 des Personenstandsgesetzes (Fehlende Angaben) kamen zur Sprache.

Die vier Experten gaben wertvolle Einblicke in ihre Arbeit und Erfahrungen bezüglich der Zusammenarbeit mit Übersetzern und Dolmetschern, die in keinem Lehrbuch zu finden sind.

Zudem referierte Frau Prof. Dr. Reichmann vom Institut für Angewandte Linguistik und Translatologie der Universität Leipzig über ihre aktuelle Studie zu Textsorten in „Strafakten und deren Übersetzungen“.

Gleichzeitig bescherte der erste Seminartag uns eine Überraschung, denn der Trend geht wieder zu mehr Juristenlatein: Ex nunc. Sollte sich mein Kleines Latinum nun also doch noch rentieren?

eJustice

Die Digitalisierung macht selbst vor den Gerichtssälen nicht Halt. Die Wirtschaftsstrafkammer des LG Saarbrücken hat eine Personenführungsanlage für ihre Dolmetscher, die zunehmend simultan arbeiten. Nach § 185, Abs. 1a des Gerichtsverfassungsgesetzes ist nun das Videodolmetschen während der Verhandlung, Anhörung oder Vernehmung zulässig. Jedoch waren sich die Referenten und anwesenden Dolmetscher einig, dass hierbei wichtige nonverbale Informationen verloren gehen können. Weiterhin wies eine französische Kollegin auf den voll digitalisierten Sitzungssaal des Appelationsgerichtshof in Paris hin.

Gehilfen des Gericht

Darüber hinaus gab es im Jahr 2018 gleich mehrere Urteile zur Stellung der Dolmetscher und Übersetzer im Gerichtsfahren. Besonders bedeutsam: Das BGH-Urteil vom 1.3.2018, nach dem keinerlei Ermessensspielraum besteht, ob für Verfahrensbeteiligte, die nicht der deutschen Sprache mächtig sind, ein Dolmetscher hinzuzuziehen ist. Prof. Dr. Dr. Jergen wies darauf hin, dass Dolmetscher und Übersetzer Gehilfen des Gerichts sind, und zwar im Sinne von Amtshilfe. Durch die jüngsten Urteile sei unsere Position gestärkt worden.

Danke!

Insgesamt waren diese beiden Tage in Saarbrücken angefüllt mit wertvollen Informationen und interessanten Begegnungen mit Kollegen aus mehreren Ländern. Und es bleibt noch die Vorfreude auf den angekündigten „service après-vente“.

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